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Portrait: Schilf

Die Charakterart der Rieselfelder Windel hat viele regionale Namen: Schilf, Schilfrohr, Riedgras, Reet, Reth ... Diese Namensvielfalt für Phragmites australis belegt die besondere Aufmerksamkeit, die unser größtes Gras schon immer genossen hat, entsprechend seiner hohen Bedeutung in biologischer und ökologischer, aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

 

 

 

 

Die Halme dieser Sumpfpflanze werden bis zu 4 m hoch und bis ca. 15 mm dick. Sie wachsen alljährlich neu aus dem kriechenden Wurzelstock. Schilf ist wärmebedürftig, benötigt zum Wachsen Temperaturen von 8 bis 10°C und erscheint daher recht spät im Jahr, wenn die Wiesen und Wälder schon längst ergrünt sind. Den späten Start machen die Halme aber mit einem hohen Zuwachs von bis zu 3 cm pro Tag schnell wieder wett. Das dichte Geflecht von weitreichenden Ausläufern sorgt für eine rasche flächige Ausbreitung der Bestände und einen dichten Wuchs, in dem andere Pflanzenarten kaum konkurrieren können. Schilf ist damit ein wichtiger Pionier bei der Verlandung von Stillgewässern.

 

Die weltweit verbreitete Art blüht erst im August/September. Die dichten Rispen werden vom Wind bestäubt, die Samen reifen erst im Winter, wenn die oberirdischen Pflanzenteile bereits absterben. In großer Zahl werden die Samen vom Wind als Schirmchenflieger oder vom Wasser verbreitet. Sie bilden für eine Reihe von Vögeln eine wichtige Winternahrung (z.B. für Rohrammern und Bartmeisen).

 

Trotz der Artenarmut an Pflanzen enthalten Schilfbestände ein reiches Tierleben. Auf und in den Blättern, Rispen und Halmen leben Spinnen, Blattläuse, Schildläuse, Gallmücken, Halmfliegen, Käfer, Zikaden, Wanzen und Schmetterlinge bzw. deren Larven. Sie bilden zusammen mit den Wasser und Schlamm bewohnenden Tierarten eine reiche Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Röhrichtvögeln, die an die Strukturen des „Halmwaldes“ besonders angepasst sind, z.B. Rohrsänger, Rallen, Weihen und Rohrdommeln. Auch als sicherer Schlafplatz für Stare, Schwalben und andere Kleinvögel haben die Schilfwälder eine große Bedeutung, und nicht zuletzt als geschützter Rückzugs- und Lebensraum im Winter.

Schilf ist eine alte Nutzpflanze, von der vor allem die Halme oberhalb der Wasseroberfläche verwendet werden können: zur Abdeckung von Häusern und Ställen, zur Herstellung von Wandbekleidungen, als Material für Isolier- und Füllplatten, als Holzersatz, Brennstoff sowie als Ausgangsmaterial für die Dünger- und Papierherstellung. Auch für die chemische Industrie liefert Schilf Grundstoffe. Schilf produziert mehr Zellstoff als Fichtenwald einer entsprechenden Flächengröße!

 

Eine wichtige ökologische Bedeutung hat Schilf auch für die natürliche Reinhaltung der Gewässer, in seinem Wurzelraum werden organische Stoffe rasch abgebaut. Diese Fähigkeit wird noch heute in Kleinkläranlagen genutzt, die zur Nachklärung mit Schilfbeeten ausgestattet werden. Früher wurden auch große Abwassermengen auf diese Weise behandelt, nicht zuletzt in den Rieselfeldern Windel.

 

(alle Fotos: J. Albrecht)

   
 
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