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Portrait: Der Bisam

Ungestört kann man den Bisam auch tagsüber beobachten. Foto: B. Walter

Der Bisam (oft auch Bisamratte genannt, obwohl er eigentlich zur Verwandtschaft der Wühlmäuse gehört), ist ein Neubürger in unserer Tierwelt. Das Nagetier aus Nordamerika wurde vor rund 100 Jahren in Europa (bei Prag) ausgesetzt, als sein Fell noch gefragt und in Mode war. Von dort aus hat sich die Art rasch und stetig ausgebreitet und wanderte ab etwa 1960 auch in Westfalen ein. Mitte der 60er Jahre war Ostwestfalen, Ende des Jahrzehnts auch das Münsterland flächendeckend besiedelt. In den ersten Jahrzehnten seines Auftretens wurde der Bisam zwar systematisch von amtlich bestellten Bisamjägern verfolgt und als Schädling bekämpft; die Bisambekämpfung war sogar als ausdrückliche Verpflichtung im Pflanzenschutzgesetz geregelt. Jedoch konnte die Ausbreitung dadurch nicht eingedämmt werden, und mit dem Wegfall der Bisambestimmungen im Pflanzenschutzgesetz 1998 hat der Jagdeifer deutlich nachgelassen.

 

Den Bisam trifft man fast überall an, wo fließende oder stehende Gewässer mit viel Pflanzenwuchs wenigstens den größten Teil des Jahres Wasser führen. Der „kleine Biber“ wird über 30 cm lang und trägt einen gut 20 cm langen unbehaarten, seitlich leicht abgeplatteten, oben und unten scharfkantigen Schwanz als Steuerruder. Sein Fell ist glänzend dunkel- bis kastanienbraun und sehr dicht. Meist sieht man ihn schwimmend, wobei Rücken und Kopf nur wenig aus dem Wasser herausragen. Bei Störungen taucht er sofort ab und verschwindet in der Deckung. Bisame können bis zu 10 Minuten unter Wasser bleiben.

 

Eines der auffälligsten Tierbauwerke: Die Bisamburg. Foto: J. Albrecht

In den Rieselfeldern leben mehrere Bisamfamilien. Am auffälligsten sind ihre Baue, die an stehenden Gewässern im Bereich flacher Ufer als „Burgen“ errichtet werden. Das sind Hügel aus Pflanzenteilen, die innen einen Wohnkessel aufweisen. Die größeren Winterburgen können einen Meter hoch werden und mehrere Wohn- und Vorratskammern enthalten. Sie werden auch gerne als Ausguck und Ruheplatz von Wasservögeln genutzt, Schwäne wählen sie auch schon mal als Nestunterlage.

 

An Fließgewässern legt der Bisam dagegen Erdbaue an und unterhöhlt dabei ganze Uferpartien oder Dammfüße. Die so verursachten wasserbaulichen Schäden an Uferbefestigungen sind erheblich; an naturbelassenen Fließgewässern dagegen gering. Die Eingänge zu den Bauen liegen zumeist unter Wasser und können unbemerkt benutzt werden.

 

Die vor allem dämmerungs- und nachtaktiven Bisame leben überwiegend von Pflanzen. Wie die Biber nagen sie mit ihren großen Schneidezähnen die Halme und Blätter von Röhricht- und Wasserpflanzen ab. Häufig findet man Reste gefällter Halme als untrügliche Spuren der Bisamaktivitäten: Sprossteile von Rohrkolben, Schwertlilie, Rohrglanzgras, Binsen oder Schilf. Aber auch Maiskolben oder Getreideähren, sofern in Ufernähe verfügbar, werden komplett zum Bau transportiert. Ihre Schwimmstraßen sind durch die umherschwimmenden Pflanzenteile leicht erkennbar. In geringerem Umfang verzehren sie auch Muscheln und Wasserschnecken – die am Rand angenagten und ausgefressenen Schalen z.B. von Teichmuscheln bleiben dann am Ufer liegen und geben Hinweise sowohl auf das Vorkommen der Muscheln als auch des Bisams.

 

Die Paarungszeit erreicht im April und Mai ihren Höhepunkt. Männchen markieren ihre bis zu einem halben Hektar großen Reviere mit Sekreten der Moschusdrüsen und verteidigen ihre Weibchen gegen Konkurrenten. Nach 4 Wochen Tragzeit werden bis zu 8 Jungtiere geboren, die des ersten Wurfes werden noch im gleichen Kalenderjahr fortpflanzungsfähig. Ein Weibchen kann jährlich zwei- bis viermal werfen; sie werden in freier Natur bis zu drei (selten vier) Jahre alt.

   
 
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