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Anziehungspunkte in den Rieselfeldern: Blänken und Teiche

Aus dem Pumpenteich wird die höher gelegene Teichkette gespeist. Foto: Bockwinkel

Schaut man von der Besucherplattform der Fernsehtürme auf der Hünenburg im Teutoburgerwald nach Süden, so blinken dem Betrachter aus der Entfernung die Wasserflächen der Rieselfelder Windel entgegen. Ebenso gut – vielleicht sogar noch besser - und sicher aus noch größerer Entfernung dürften hoch fliegende Tiere die Rieselfelder sehen, z.B. Vögel, die nach geeigneten Brutplätzen in den in unserer Landschaft selten gewordenen Feuchtgebieten suchen oder auf dem Zug nach feuchten Rast- und Nahrungsplätzen, oder Insekten, z.B. Libellen, die herumstreichen, um in diesen Feuchtgebieten neuen Lebensraum zu finden. Auch sie entdecken die Rieselfelder durch dieses Blinken der Wasserflächen. Die Rieselfelder Windel wirken so aus großer Entfernung als Anziehungspunkt und dienen als Trittsteine und Refugium für feuchteliebende Arten; ihnen kommt damit nicht nur lokale, sondern regionale Bedeutung zu.

 

Blinkende Wasserflächen in den Rieselfeldern entstehen durch die permanent Wasser führenden Teiche und die Blänken (der Name leitet sich von althochdeutschen „blanc“ für blinken ab!). Blänken führen zumindest in den feuchten Jahreszeiten, vor allem im Frühjahr und Herbst, Wasser, ansonsten können sie auch trocken fallen. Häufig verbleiben aber auch in trockenen Zeiten an den tiefsten Stellen Restwasserflächen.

 

Dauerhaft Wasser führende Teiche stellen für Lebewesen relativ stabile Lebensräume dar, ganz anders dagegen Blänken mit ihren extrem wechselnden Wasserständen, in denen mal „Überschwemmung“, mal „Dürre“ herrschen. Nur speziell angepasste Lebewesen können diese Lebensbedingungen meistern. Bei den Pflanzen sind es oft kleine konkurrenzschwache Arten, die hier wachsen. Sumpfquendel, Zwiebelbinse, Gelbsegge und Blauer Wasserehrenpreis sind Beispiele. An anderen Standorten werden sie von schnellwüchsigen Arten überwuchert und verdrängt. Oft wird aber auch von diesen und anderen an die wechselnden Wasserstände angepassten Pflanzen der Boden nicht völlig bedeckt, sodass die Lückigkeit der Pflanzenbedeckung recht typisch ist für Blänken.

 

Blänken fallen zeitweilig trocken - ein Lebensraum für Anpassungs- künstler. Foto: Biostation

Viele kleinere Tiere meistern die extrem wechselnden Wasserständen oft dadurch, dass sie z.B. nur den Zeitraum, in dem die Blänke Wasser führt, nutzen, und dann, wenn die Austrocknung beginnt, in Dauerstadien, z.B. mit Eiern, überbrücken oder das Wasser verlassen, um am Land zu leben. Muschelkrebse und Wasserflöhe z.B., die die Trockenzeit als Eier überdauern, vermehren sich unter günstigen Bedingungen in Massen und bilden dann eine attraktive Futterquelle für Wiesen- und Watvögel.

 

Libellen sind ein Beispiel für Tiere, die nur als Larven im Wasser leben: sie legen ihre Eier im Wasser der Blänken ab, im Wasser entwickeln sich die Libellenlarven, sie fressen dort, wachsen und verpuppen sich schließlich, mit dem Schlüpfen aus der Puppe verlässt die fertige Libelle das Wasser und lebt und jagt außerhalb. Nur zur erneuten Eiablage müssen Libellen wieder ein Gewässer aufsuchen. Die Blänken der Rieselfelder bieten einer Reihe auch seltener Libellen Lebensraum, die Südliche Binsenjungfer, die Kleine Pechlibelle und die bisher bereits nachgewiesenen sechs Arten Heidelibellen gehören dazu. Alle kleineren Tiere der Blänken profitieren davon, dass Fressfeinde, z.B. Fische, in den Blänken nicht überleben können.

 

Vögel der Feuchtgebiete nutzen Blänken anders. Sie suchen und finden hier vor allem Nahrung: Würmer, Schnecken und Insekten und ihre Larven. Vor allem Wat- und Schnepfenvögel, die so genannten Limikolen, machen an den Blänken auf dem Zug von ihren nördlichen Brutgebieten ins Winterquartier in Afrika Station. Viele Arten, Bruch- und Waldwasserläufer, Grünschenkel, Dunkle Wasserläufer, Flussuferläufer und Sichelstrandläufer, können relativ regelmäßig während der Zugzeiten beobachtet werden. Einige Limikolenarten, z.B. der Flussregenpfeifer oder der Kiebitz, brüten in den Rieselfeldern. Sie brauchen die schüttere Vegetation, die durch den starken Feuchtewechsel im Jahresgang bedingt ist, weil sie nur auf solchen Flächen brüten.

 

   
 
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