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Portrait: Der Große Klappertopf

Die Wiesenflächen der „Nordost-Erweiterung“, die 2003 angelegt bzw. umgestaltet wurden, beherbergen eine zunehmende Zahl interessanter Pflanzenarten, die auf nährstoffarme Standorte angewiesen sind. Zu ihnen gehört der Große Klappertopf (Rhinanthus serotinus). Sein Name ist Programm: Obwohl es sich um eine Pflanze handelt, die diesen seltsamen Namen trägt, macht sie durch Geräusche auf sich aufmerksam. Allerdings erinnert das Rascheln der Samen in ihren trockenen Kapseln bei Wind oder Berührungen eher an trockenes Laub als an einen klappernden Kochtopf.

 

Der Blütenstand des Großen Klappertopfs ist einfach oder verzweigt mit kreuz-gegenständigen Einzelblüten.
Foto: Ingo Jürgens

Die einjährige, formenreiche Art aus der Familie der Rachenblütler (= Scrophulariaceae, von einigen Botanikern wird sie auch in eine eigenständige Familie Sommerwurzgewächse = Orobanchaceae ausgegliedert) hat eine interessante Biologie. Die „Blume des Jahres 2005“ ist ein Halbschmarotzer, der die Wasserleitbahnen verschiedener Blütenpflanzen mit speziellen Saugwurzelfortsätzen anzapft und daraus Wasser und Nährsalze entnimmt. Sie bildet aber auch noch selbst grüne Blätter aus und treibt Photosynthese. Die krautige Pflanze wird bis über einen halben Meter hoch. Ihre gelben „Lippenblüten“ haben enge Kronröhren mit blauvioletten Oberlippenzähnen und werden von Hummeln bestäubt. Sie sind von auffälligen bleichgelben Hochblättern eingefasst, die als Schauorgan Insekten anlocken. Die Samen entwickeln sich in Kapseln, die vom blasigen Kelch umhüllt sind und im trockenen Zustand zusammen mit diesem „Resonanzkörper“ den „Klappertopf“ bilden. Die reifen Samen werden durch den Wind oder durch Stöße ausgeschüttelt und verbreitet. Alte Namen wie Rassel, Wiesenklapper oder Totsauger verweisen ebenso auf die charakteristischen Eigenschaften wie auf die Tatsache, dass der Klappertopf über Jahrhunderte ein Kulturbegleiter des Menschen war.

 

Der Klappertopf ist schwach giftig (vor allem Pferde reagieren empfindlich) und hat sogar früher gelegentlich zu Vergiftungen geführt, wenn das Brotgetreide mit Klappertopfsamen verunreinigt war (eine heute sehr seltene Unterart kommt bevorzugt auf mageren Ackerflächen vor). Das Kraut wurde früher gegen Parasiten, z.B. Läuse angewendet.

 

Eindrucksvolle Bestände des Großen Klappertopfs prägen im Mai und Juni das Grünland unterhalb des nördlichen Aussichtsturmes.
Foto: Ingo Jürgens

Wie viele Wiesenblumen ist der Klappertopf durch intensive Nutzung aus dem Wirtschaftsgrünland weitgehend verdrängt worden (insbes. durch häufigere Mahd, die durch Drainage, stärkere Düngung, leistungsfähigere Maschinen usw. ermöglicht wurde). Die Art ist in NRW und auch bundesweit gefährdet (Rote Liste Kategorie 3). Sie wurde in die Rieselfelder erst 2005 mit Saatgut aus dem Kreis Gütersloh eingebracht und hat sich seitdem rasant vermehrt: 2006 waren es ca. 200, 2007 über 2.000, 2008 über 10.000 und in diesem Jahr über 25.000 Exemplare. Damit dürften die Rieselfelder Windel einen der individuenreichsten Bestände in ganz Ostwestfalen beherbergen.

 

Die Pflanzen wachsen im Umfeld des nördlichen Aussichtsturms auf den nährstoffarmen, frischen bis feuchten Böden vor allem im Randbereich der Blänken. Gemieden werden die höher gelegenen trocken-sandigen Flächen, aber auch die Bereiche mit längeren winterlichen Überstauungen. Wichtig zum Erhalt der im Juni blühenden einjährigen Art ist eine späte erste Mahd nicht vor Mitte Juli, zu diesem Zeitpunkt haben in der Regel ausreichend viele Pflanzen die Saatreife erreicht.

 

   
 
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