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Kleinsäuger: Mäuse und Spitzmäuse

Die Mäuse und Spitzmäuse stellen die wichtigsten Arten der sog. "Kleinsäuger", einer vielfältigen und ökologisch hochinteressanten Tiergruppe, die im Nahrungsnetz eine bedeutende Rolle spielt. Die folgenden Ergebnisse wurden 2007 bei der Untersuchung von Schleiereulengewöllen im Wettbewerb "Jugend forscht" gewonnen. In diesem Projekt wurde das Vorkommen der Kleinsäuger in den Rieselfeldern Windel mit zwei weiteren Standorten in Schröttinghausen und Dithmarschen verglichen. Da die Zusammensetzung der Gewölle Aufschluss über die relative Häufigkeit der Arten im Jagdrevier gibt, lassen sich die Häufigkeitsunterschiede an den drei Standorte gut mit den verschiedenen Biotopstrukturen und Lebensraumansprüchen der Arten erklären:

Feldmäuse bevorzugen offene Felder, Weiden und kurzrasige Wiesen. Im Revier Schröttinghausen, das sehr abwechslungsreich strukturiert ist und einen größeren Anteil Intensivgrünland enthält, erreichen sie einen Anteil von etwa der Hälfte, im noch stärker grünlandbetonten Dithmarschen von fast zwei Dritteln. Die Feldmaus ist die häufigste Kleinsäugerart und die wichtigste Nahrungsquelle für die Schleiereule, aber auch für viele weitere Fleisch fressende Vögel und Säugetiere. Sie durchlief 2007 nicht nur in den Rieselfeldern, sondern in vielen weiteren Gegenden Deutschlands eine Massenvermehrung.

 

Die Gemeine Schermaus wird im Volksmund vereinfachend auch Wasserratte genannt, weil sie gut schwimmen und tauchen kann und als größte heimische Wühlmaus fast Rattengröße erreicht. Sie ist zwar nicht streng an Wasser gebunden, doch ist ihr Anteil mit 11 bis 13% ist in den gewässerreichen Revieren Rieselfelder und Dithmarschen immerhin etwa doppelt so hoch wie in Schröttinghausen, wo sich wenig Gewässer finden.

 

Die Erdmaus bevorzugt - anders als die Feldmaus - nicht kurzrasige Flächen, sondern verfilzte Altgras- und Schilfbestände, z.B. Verlandungszonen der Gewässer mit Schilf und Binsen. Während die Feldmaus unterirdische Nester baut, nistet die Erdmaus über dem Erdboden und verträgt daher auch Vernässungen besser. Ihr Anteil ist in den intensiv und gleichförmiger genutzten Dithmarscher Revieren am geringsten.

 

Rötelmäuse kommen überwiegend in gehölzreichen Lebensräumen vor. Sie sind in den Rieselfeldern und in Schröttinghausen etwa zu gleichen Anteilen vertreten und fehlen in den Dithmarscher Gewöllen vollständig, obwohl sie in ganz Deutschland verbreitet sind.

 

Auch Gelbhals- und Waldmäuse bevorzugen Biotope mit Gehölzen und erscheinen in den Bielefelder Revieren etwa gleich häufig, im baumarmen Dithmarschen dagegen nur in geringer Zahl.

 

Die ebenfalls zu den „echten Mäusen“ zählenden Wanderratten, Haus- und Zwergmäuse wurden so selten gefunden, dass kein Vergleich möglich ist. Ein Nachweis der leicht zu übersehenden Zwergmaus gelang in beiden Bielefelder Revieren nicht, sie könnte aber durchaus jeweils vorkommen.

 

Die mit einem Anteil von ca. 16% aller Schädel mit Abstand am häufigsten in den Gewöllen der Rieselfelder gefundene Spitzmausart ist die Hausspitzmaus. Sie gilt als ausgeprägter Kulturfolger, bevorzugt also die Nähe menschlicher Siedlungen. Daher überrascht der hohe Anteil in den Rieselfeldern, der dort dreimal größer ist als im Siedlungsraum Schröttinghausen und sogar fünfmal höher als in Dithmarschen.

 

Die Waldspitzmaus zählt gleichfalls zu den häufigeren heimischen Spitzmausarten und kommt in allen Lebensräumen vor, bevorzugt jedoch feuchte Biotope. Ihr Anteil von über 11% in Dithmarschen und ca. 7% in den Rieselfeldern entspricht dieser Charakterisierung im Vergleich zum geringeren Anteil von weniger als 3 % in Schröttinghausen.

 

Ähnliche ökologische Ansprüche wie die nah verwandte Waldspitzmaus scheint auch die Schabrackenspitzmaus zu haben, die allerdings im Nordosten Deutschlands generell zu fehlen scheint (und in den Proben aus Dithmarschen auch nicht gefunden wurde). Jedenfalls liegt ihr Anteil in den Rieselfeldern höher (5,6%) als in Schröttinghausen (3,5%).

 

Unser kleinstes heimisches Säugetier, das im Winter unter 3 Gramm (!) Körpergewicht absinken kann, ist die Zwergspitzmaus. Obwohl sie in ganz Deutschland heimisch ist und die verschiedensten Lebensräume besiedelt, fehlte sie in den Dithmarscher Gewöllen, erreichte aber auch in den Bielefelder Revieren lediglich Anteile um 1%.

 

Von der Wasserspitzmaus wurde in den Rieselfeldern lediglich ein Einzelfund nachgewiesen. Die Biologie dieser Art ist hoch interessant. Sie lebt überwiegend im und am Wasser und entfernt sich nur selten weit vom Ufer. Ihre Nahrung erwirbt sie schwimmend und tauchend, sie ist der ausgeprägteste Räuber unter unseren Spitzmäusen und erbeutet sogar kleine Frösche und Fische, ist also auf saubere Gewässer mit reicher Wasserfauna angewiesen. Aufgrund ihrer aquatischen Lebensweise und guten Deckung im Uferröhricht wird sie nur selten in Gewöllen nachgewiesen, ist aber sicherlich ohnehin nicht häufig.

 

Der Maulwurf ist in den Rieselfeldern häufig und hinterlässt unübersehbare Spuren.
Foto: J. Albrecht

Interessant ist, dass vom Maulwurf, der wie die Spitzmäuse ebenfalls zu den Insektenfressern gehört, kein einziger Schädel in den untersuchten Gewöllen gefunden wurde, obgleich er in den Rieselfeldern sehr häufig vorkommt. Dass diese Art von Schleiereulen wenig geschätzt wird, wurde auch in anderen Untersuchungen festgestellt.

 

Auch der Bisam taucht nicht in der Beuteliste der Schleiereule auf. Er ist i.d.R. zu groß, allenfalls Jungtiere könnten sich gelegentlich finden.

 

Die ausführlichen Ergebnisse der Gewölleuntersuchungen wurden im 49. Band der Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld veröffentlicht (Download, rechte Spalte).

Download

Sandmeyer_Kilicgedik_Lanz_Albrecht_NWV-BI-49_2010.pdf

   
 
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