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Die Kleinsäuger der Rieselfelder im Speiseplan der Schleiereule

Ergebnisse einer Studie beim Schülerwettbewerb „Jugend forscht“ 2008

Jana, Kristina und Berfin haben die Nahrung der Schleiereulen in den Rieselfeldern erforscht.
Foto: J. Albrecht

"Was frisst die Schleiereule?“ – Diese Fragestellung beschäftigte drei Schülerinnen des Bielefelder Helmholtz-Gymnasiums beim Schülerwettbewerb „Jugend forscht“ im Jahr 2008. Berfin Kilicgedik, Kristina Lanz und Jana Sandmeyer untersuchten dazu die Gewölle der Schleiereule aus den Rieselfeldern Windel und verglichen deren Inhalte mit weiteren Gewöllen aus Schröttinghausen und Dithmarschen. Ihre Ergebnisse präsentierten sie am 16.2.2008 beim Regionalwettbewerb für das nördliche Ostwestfalen der Jury und der Öffentlichkeit und errangen dabei nicht nur den ersten Preis im Fachgebiet Biologie, sondern auch den Sonderpreis Umwelt des Landes NRW und dazu noch den Forschungspreis des Rotary Clubs! Damit qualifizierten sie sich für den Landeswettbewerb 2008 in Leverkusen, bei dem sie Anfang April den zweiten Preis Biologie und ebenfalls den zweiten Preis Umwelt errangen. Herzlichen Glückwunsch!

 

Gewölle sind Speiballen, mit denen Eulen (aber auch andere Vögel) die unverdaulichen Reste ihrer Beute auf kurzem Wege wieder loswerden. Eulengewölle sind für die Analyse der Nahrungszusammensetzung besonders geeignet, weil die Verdauungssäfte im Eulenmagen selbst kleine Knochen kaum angreifen. Man findet in den überwiegend aus Haarfilz bestehenden, knapp daumengroßen Ballen daher viele Knochen der Beutetiere, manchmal fast komplette Skelette samt zartesten Fingerknöchelchen oder Rippen.

 

Am wichtigsten sind aber die charakteristischen Schädel, die man mit einiger Übung und spezieller Literatur exakt bis zur Art bestimmen kann. Die drei Jungforscherinnen analysierten mit großer Geduld 1.925 Schädel von kleinen Säugetieren („Kleinsäuger“, i.W. Mäuse und Spitzmäuse) und fanden auch 2 Vogelschädel. Von der Schleiereule ist bekannt, dass sie recht unspezialisiert alles frisst, was ihr in geeigneter Größe vor die Fänge kommt und was sie in dunkler Nacht erlauschen kann. Daher kann man mit Hilfe ihrer Gewölle sehr gut das Vorkommen von Kleinsäugern in ihrem Jagdrevier erfassen und sogar die relativen Häufigkeiten der einzelnen Arten abschätzen.

 

Was die „fliegenden Mausefallen“ in den beiden Jahren 2006 und 2007 im Verlaufe von drei Bruten alles in ihre Nistkästen im Dach der Biologischen Station eintrugen und dort hinterließen, zeigt die nebenstehende Abbildung. Dargestellt sind die prozentualen Anteile von 11 Kleinsäugerarten bei einer Gesamtzahl von 684 bestimmten Schädeln. Zahlenmäßig beherrschen die Wühlmausarten (Scher-, Feld-, Erd- und Rötelmaus) das Bild (rund 58% der Schädel), wobei die Feldmaus mit allein ca. 32% das mit Abstand häufigste Beutetier war. Die nächsthäufige Gruppe mit ca. 30% waren die Spitzmäuse (die systematisch nicht zu den Nagetieren, sondern mit Maulwurf und Igel in die Gruppe der Insektenfresser gehören). Die echten Mäuse (Gelbhals- und Waldmaus) bilden schließlich die kleinste Beutegruppe mit ca. 12%. Als Besonderheit fand sich ein Starenschädel (Stare nutzen in großer Zahl das Schilfröhricht der Rieselfelder als Schlafplatz und sind dort eine leichte Beute).

 

Durch die „Jugend-forscht“-Arbeit wurden vier Mäusearten erstmals in den Rieselfeldern nachgewiesen, darunter die selten zu findende Wasserspitzmaus. In dem an Gewässern aller Art reichen Naturreservat findet diese selten zu beobachtende Art einen idealen Lebensraum.

 

Den besonders interessanten Aspekt einer Massenvermehrung der Feldmaus im Jahr 2007 zeigt der Vergleich verschiedener Gewöllesammlungen im Jahresverlauf 2006/2007: Die im Juni 2006 entnommenen Gewölle enthalten noch Feldmausschädel zu einem Anteil von lediglich ca. 18%, im Sommer des Folgejahres aber waren sie mit über 41% mehr als doppelt so häufig. Dieser hohe Anteil ist ein Spiegelbild des Massenangebotes an Feldmäusen aufgrund einer Gradation (Massenvermehrung mit exponentieller Wachstumsphase) im Jahre 2007. Auch in den Gewöllen aus Schröttinghausen und Dithmarschen waren die Feldmäuse häufig, und wie inzwischen in der Fachliteratur nachzulesen ist, auch in vielen weiteren Teilen Deutschlands. Aber auch Gelbhals-, Scher- und Rötelmäuse hatten 2007 in den Rieselfeldern offenbar gute Bedingungen für eine reiche Vermehrung. Dieses außergewöhnlich reiche Nahrungsangebot war die Grundlage dafür, dass das Rieselfeld-Paar der Schleiereule in diesem Jahr sogar zwei Bruten erfolgreich großzog, was recht selten vorkommt.

 

Schließlich fallen beim Vergleich der drei untersuchten Gebiete noch die unterschiedlich hohen Anteile der einzelnen Arten auf, die sich aufgrund ihrer Vorliebe für spezielle Lebensräume mit den verschiedenen Biotopstrukturen in den jeweiligen Jagdrevieren gut erklären lassen. Nähere Informationen dazu enthält das Gruppenportrait "Mäuse und Spitzmäuse".

 

Die Forschungsergebnisse wurden - ergänzt um weitere Daten aus dem Jahr 2008 - im 49. Band der Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld veröffentlicht (Download, rechte Spalte).

Download

Sandmeyer_Kilicgedik_Lanz_Albrecht_NWV-BI-49_2010.pdf

   
 
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