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Portrait: Die Lachmöwe

Lachmöwe im Kleiderwechsel: Das sommerlich-braune Gesicht schimmert schon durch.
(Foto: J. Albrecht)

Solange die Teiche der Rieselfelder nicht vom Eis bedeckt sind, werden sie im Winterhalbjahr regelmäßig von einer größeren Zahl Lachmöwen belebt. Man kann dann gut ihre unterschiedlichen Alters- und Jahreskleider kennen lernen: Altvögel sind im Winterkleid fast vollständig hell weiß-grau gefärbt, und sie haben neben ihren dunklen Flügelspitzen nur noch einen braunen Fleck hinterm Auge (Ohrfleck). Das Gefieder der Jungvögel ist dagegen braun-weiß-scheckig, im ersten Jahr mit viel Braun, das im zweiten Jahr zunehmend durch Grau ersetzt wird. Am Prachtkleid der Altvögel vom Spätwinter bis in den Hochsommer fällt vor allem der schokoladebraune Kopf auf.

 

Eine Jungmöwe auf einem der Holzflöße wird gefüttert (Foto: G. Bockwinkel).

Etliche Lachmöwen bleiben auch bis weit ins Frühjahr in den Rieselfeldern und balzen intensiv, aber bis einschließlich 2013 kam es erst einmal (2002) zu einer Einzelbrut. Vermutlich fehlten ihnen geeignete Brutplätze, die vor Bodenfeinden wie z.B. Füchsen ausreichend sicher sind. Lachmöwen bauen ihre Bodennester gerne auf Inseln oder an sumpfigen Ufern. Das gemeinsame Brüten erleichtert es, Feinde aus der Luft wie z.B. Rohrweihen abzuwehren. Die Brut dauert 3 bis 4 Wochen, und die Jungen sind erst ab ca. 4 Wochen flugfähig – da ist ein geschützter und sicherer Brutplatz ausschlaggebend für den Bruterfolg.

 

Das Blatt wendete sich für die Lachmöwen in den Rieselfeldern erst ab 2014. In diesem Jahr löste sich die nächstgelegene Kolonie im Steinhorster Becken (an der Ems im Kreis Paderborn) auf, und erste Schwimmflöße, die der NABU vom Obersee in die Rieselfelder verlagert hatte, wurden von etwa 2 bis 4 Brutpaaren besiedelt. Im Folgejahr waren es schon ca. 12 Paare, und bis 2017 wuchs die Brutkolonie auf mind. 35 Paare an. Zusammen mit den Nichtbrütern, die sich noch bis Anfang Juni in den Kolonien aufhalten, erreicht die „Rieselfeld-Population“ dann über 150 Individuen, und ihre Rufe sorgen für ein prägendes Naturerlebnis.

 

Interessant sind Lachmöwenkolonien auch für andere Vogelarten. Beispielsweise nisten Trauerseeschwalben, Schwarzkopfmöwen und Schwarzhalstaucher gerne in ihrer Nähe und nutzen den gemeinsamen Schutzschild der Möwenkolonie. Zeitweilig hielt sich im Frühjahr 2017 tatsächlich auch eine Schwarzkopfmöwe in der Rieselfeld-Kolonie auf, brütete aber nicht. Die Ablesung eines Lachmöwenrings 2017 belegte, dass eine der Bielefelder Koloniemöwen 2012 in Sachsen aufgewachsen ist.

 

Die neue handliche Flossgeneration (Foto: J. Albrecht).

Die NABU-Aktivgruppe setzt 2 Floßtypen ein. Es begann mit 1 Quadratmeter großen Holzfloßmodulen. Sie waren von Schülern des Carl-Severing-Berufskollegs 2011 für den Obersee gebaut worden, wurden dort aber als Brutplatz nicht angenommen und dann nach und nach in die Rieselfelder verbracht. Auf ihnen können bis zu etwa 4 Möwenpaare ihre Nester bauen, da sie ihre unmittelbare Nestumgebung als Nistterritorium gegen Konkurrenten verteidigen. Nach den ersten Bruterfolgen wurden die Holzflöße im Frühjahr 2017 durch kleine Schaumstoff-Flöße ergänzt, die jeweils nur einen Nistplatz bieten. Sie sind leichter zu handhaben als die schweren Holzflöße und können im Winter mit weniger Mühe eingelagert werden. Im Februar, bevor die Möwen im März an ihren Brutplatz zurückkehren, werden sie dann wieder ausgelegt. Einige Holzflöße im Großen Teich an der Niederheide bleiben dagegen ganzjährig im Wasser und sind beliebte Rastplätze für Enten, Gänse und Kormorane. Doch auch hier gab es 2017 eine erste erfolgreiche Lachmöwenbrut.

 

Im März warten die Flösse auf ihre Besiedler (Foto: J. Albrecht).

Lachmöwen haben eine vielseitige Nahrung mit hohen tierischen Anteilen, z.B. kleine Wassertiere und insbes. Regenwürmer, die sie gerne von frisch gepflügten Äckern oder im Grünland aufnehmen. Im Winterhalbjahr fressen sie vielfach Abfälle. Weil diese auf Mülldeponien heute nicht mehr so leicht verfügbar sind wie im vergangenen Jahrhundert, ist die Zahl der Lachmöwen zumindest im Binnenland drastisch eingebrochen – ehemals große Kolonien wie z.B. am Dümmer sind heute auf ein Minimum geschrumpft. Die einstmals größte deutsche Kolonie am Zwillbrocker Venn (an der Landesgrenze im Kreis Borken) brach von ihrem Höchststand Mitte der 1980er Jahre (ca. 15.000 Paare) auf derzeit nur noch ca. 2.000 Paare ein. Die den Rieselfeldern nächstgelegenen Kolonien an der Ems (Steinhorster Becken, Rietberger Emsniederung) wurden aufgegeben. Demgegenüber steht in Ostwestfalen eine weitere Neuansiedlung 2016 bei Lage. Die schnelle Gründung, aber auch die ebenso schnelle Aufgabe von Kolonien ist typisch für die Art. Insgesamt gibt es derzeit in NRW nur noch etwa ein Dutzend Koloniestandorte mit insgesamt vielleicht 4.000 Paaren. Neben der Verknappung der Nahrung tragen der Lebensraumverlust durch Entwässerung, Grünlandumbruch, Verlandung sowie der Feinddruck durch Raubsäuger (Waschbären, Füchse) zu diesem starken Rückgang bei.

 

Diese Bestandsentwicklung ist sehr bedauerlich, denn die hübschen und lebhaften Vögel mit ihrem reichen Ausdrucksverhalten und Stimmrepertoire tragen viel zum Erlebniswert von Feuchtgebieten bei. Die neue Lachmöwenkolonie in den Rieselfeldern ist also eine Besonderheit, die es zu hegen gilt!


(Stand: Juli 2017)


Im prächtigen Brutkleid (Foto: G. Bockwinkel).

Berichte in der Neuen Westfälischen

NW-2015-06-13_Nach-langer-Zeit-Bruterfolg-bei-Lachmoewen.jpg

NW-2017-06-30_Nistfloesse-bringen-den-Erfolg.jpg

   
 
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