Logo Rieselfelder Windel Home Archiv Sitemap Impressum
Winter Fruehling Sommer Herbst Galerie
Aktuelles
Rieselfelder Windel
Aktivitäten & Angebote
Stiftung
Sponsoring
Kontakt

Portrait: Die Rauchschwalbe

Tragen immer den „festlichen Frack“: Rauchschwalbenmännchen. Foto: J. Albrecht

Die bekannteste unserer Schwalben hat sich besonders eng an den Menschen angeschlossen und findet sich daher in vielen umgangssprachlichen und mundartlichen Redewendungen sowie im Volksglauben. Neben Storch, Kuckuck und Nachtigall gehört sie zu den volkstümlichsten Vögeln überhaupt, gilt als Glücksbringer und Frühlingsbote, macht aber bekanntlich noch keinen Sommer. Denn schon im März erscheinen die ersten Schwalben, meist über Gewässern, und fangen dort die ersten Insekten. Die Masse kommt dagegen erst in der zweiten Aprilhälfte.

 

Sie hat dann einen weiten Weg hinter sich, denn ihr Winterquartier liegt im südlichen Afrika. Die längste nachgewiesene Zugstrecke eines skandinavischen Vogels betrug über 12.000 km bei Tageshöchstleistungen bis 300 km. Dennoch verbringt sie rund 23 Wochen in ihrer Brutheimat, länger als alle anderen Singvögel vergleichbarer Zugstrecke. In dieser Zeit zieht sie in der Regel 2 Bruten groß, manchmal sogar 3.

 

Typische traditionelle Brutplätze des ausgesprochenen Kulturfolgers sind Viehställe, seltener Scheunen, Wohnhäuser (Deelen) und Brücken. Ein Dorf oder Hof ohne Schwalben war früher nicht vorstellbar. Heute sieht die Wirklichkeit anders aus, und die meisten Menschen kennen kaum mehr die Unterschiede zwischen Rauch- und Mehlschwalben. Denn die Zahlen der Schwalben sind massiv zurückgegangen: Die Mehlschwalbe steht in NRW auf der Vorwarnliste, die Rauchschwalbe sogar als gefährdet auf der „Roten Liste“.

 

Ursache dafür sind einerseits die Brutplatzverluste, denn auch die Zahl der landwirtschaftlich genutzten Gebäude hat drastisch abgenommen; und viele modernen Mastbetriebe sind so dicht verschlossen, dass Schwalben keinen Einflug mehr finden. Mit den Bauern sterben auch die Schwalben! Und deren Nachfolger sind sich oftmals zu fein, den „Dreck“ der Schwalben zu akzeptieren. Sie wissen nicht, welches Glücksgefühl sie verschenken, mit den rührend zutraulichen und immer fröhlich zwitschernden Rauchschwalben unter einem Dach zu leben!

 

Andererseits hat man erst in den letzten Jahren entdeckt, dass die Schwalben an ihren afrikanischen Schlafplätzen in großer Zahl gefangen und verspeist werden.

 

Das Gefieder der Rauchschwalben schillert oberseits durchgängig schwarz-bläulich (die Mehlschwalbe hat einen weißen Bürzel), ihre Kehle ist rauchbraun über einem blauen Brustband (die Mehlschwalbe hat eine reinweiße Unterseite). Auffällig sind ihre langen Schwanzspieße – je länger diese sind, desto attraktiver ist das Rauchschwalbenmännchen nachgewiesenermaßen für die Weibchen.

 

Sie sind auch sonst sehr gesellig, bauen ihre Nester gerne in lockeren Gesellschaften, aber nicht zu dicht nebeneinander wie die Mehlschwalben. Sie teilen den Stall in lauter Kleinreviere auf, die auch verteidigt werden. Bei schlechtem Wetter sind die Fliegen in den Ställen eine überlebenswichtige Nahrungsreserve des schnittigen Jägers von Fluginsekten. Das Nest ist eine oben offene Halbschale aus eingespeichelten Lehmklümpchen (bis über 1.000 an der Zahl!), mit eingewobenen Grashalmen oder Haaren (Mehlschwalben bauen ihre Nester in Form einer fast geschlossenen Viertelkugel in dichten Kolonien außen an die Gebäude unter Dachvorsprünge).

 

„An Mariä Geburt (8. September) ziehen die Schwalben furt“, heißt eine süddeutsche Bauernregel. Noch verlassen sie uns dann zwar nicht ganz, sammeln sich aber zu großen Gruppen, die oft zu Tausenden in Schilffeldern übernachten. Früher dachte man daher, die Schwalben überwinterten in den Gewässern, zumal sie dort auch im Frühjahr als erstes wieder „auftauchen“. Auch in den Rieselfeldern sammeln sich herbstliche Schlafgemeinschaften; sie beziehen ihre Schlafplätze aber abends so spät, dass man sie kaum noch im Dunkel ausmachen kann. Hoffen wir, dass die arglosen Begleiter des Menschen noch lange zu uns zurückkehren können!

 

Weitere Informationen zum „Vogel des Jahres 1979“ bieten die Internetseiten des NABU.

   
 
Seite Drucken