Title: Sommer

Sommer in den Rieselfeldern

Der Durchlass für Weidetiere führt unmittelbar am sog. Pumpenteich vorbei: Ihr Logenplatz für Froschkonzerte! (Foto Biostation)

Der Sommer lockt mit warmen Temperaturen und einem reichen Blütenangebot nicht nur Erholung suchende Naturfreunde in die Rieselfelder. Die Vielzahl der nicht weniger bunten Insekten, die sich an Blüten, Ufersäumen und in den Staudenfluren einstellen, bieten einen gut gedeckten Tisch für die Jungvogelaufzucht.

 

Um diese Jahreszeit lohnt es sich, die zahlreichen Gewässer nach Brutvögeln mit Jungen abzusuchen: Stock- und Reiherente sowie Zwerg- und Haubentaucher führen ihre Brut oder tragen sie - so der Haubentaucher - in der Anfangszeit auf dem Rücken. Hier sind vor allem die beiden Schönungsteiche an der Niederheide (in Stationsnähe) lohnende Beobachtungsstationen.

 

Die scheuen Brutvögel des Schilfes, beispielsweise Rohrammer und Teichrohrsänger, kann man mit etwas Glück ebenfalls beim Führen ihrer Jungen beobachten. Leichter fallen Beobachtungen an den vielen Nistkästen rund um die Biostation, wo jetzt Feldsperlinge und Stare Futter eintragen. Auch Jungmeisen flattern zeternd durchs Geäst, jede möchte als erste gefüttert werden.

 

Die Mahd der Wiesenbereiche erfolgt meist bei gutem Wetter im Verlauf des Junis.

Im Juli und August löst der teils intensive "Gesang" der Heuschrecken entlang von Wegen oder aus Wiesenabschnitten den Vogelgesang ab, der bei einigen Arten bereits im Juni langsam verstummt. Wie die Vögel können auch die verschiedenen Heuhüpfer-Arten vom Kundigen an ihren Gesängen bestimmt werden, die teilweise an der Hörgrenze zum Ultraschallbereich hin erklingen.

 

Wasserfledermäuse jagen nachts wie Schwalben dicht über dem Wasserspiegel nach Insekten (Foto Becker)

Die wahren Ultraschall-Spezialisten sind natürlich die Fledermäuse, die in den warmen Sommerabenden und -nächten einen reich gedeckten Tisch über den Rieselfeldern vorfinden. Viele nachtaktive Insekten sind dann unterwegs und werden von den Fledermäusen in allen Höhenschichten aufgespürt: Wasserfledermäuse jagen ganz dicht über der Wasserflächen, während Zwerg- und Breitflügelfledermäuse eher den halbhohen Luftraum zwischen den Büschen und Bäumen aufsuchen. Die Großen Abendsegler, die schon in der frühen Dämmerung teilweise noch zusammen mit den Schwalben mit der Jagd beginnen, bevorzugen die hohen Zonen der Baumwipfel und darüber.

 

Warme Abende im Sommer bieten auch ideale Gelegenheiten, ein vielstimmiges und kostenloses Konzert zu erleben: Die Grünfrösche laufen zu großer Form auf und werben stimmkräftig um Weibchen. Lauschen Sie dem eigenartigen Rhythmus ihrer Aufführungen, dem plötzlichen Verstummen und langsamen Wiedereinsetzen des kopfstarken Chors, und buchen Sie gleich heute noch Ihr Gratis-Abo! Gute Logenplätze bietet der „Pumpenteich“ auf der linken Seite kurz hinter der Einfahrt in die Niederheide von der Buschkampstraße aus, oder die Flachwasserzonen der beiden großen Teiche in Stationsnähe.

 

Jetzt im Sommer ist die Bewässerung der Teiche und Schilfflächen besonders wichtig. Da trifft es sich gut, dass auch die Solarstrom-Ausbeute vom Dach der Biostation ihr Jahresmaximum erreicht und den Strom für die Bewässerungspumpe bereitstellt. Vom „Pumpenteich“ aus schöpft sie das gereinigte Abwasser aus der Windelschen Kläranlage, das in einem Teilstrang durch die Rieselfelder geführt wird, in die hoch gelegenen Schilfbeete beim Südturm, von wo aus sie im freien Gefälle über weitere Röhrichtflächen bis zum Schönungsteich an der Niederheide gelenkt werden. Erst hier fließen die Überschussmengen dann in der Reiherbach ab.

 

Viele Kiebitze sammeln sich bereits im Juni an Blänken oder auf den Wiesen; es sind in der Regel Nichtbrüter auf dem so genannten „Zwischenzug“. Die Artenvielfalt der Watvögel (Limikolen) an den Blänken und Teichen nimmt ab August wieder deutlich zu, wenn die ersten Zugvögel in den Rieselfeldern erscheinen und hier teils längere Aufenthalte einlegen, um sich für den langen Zug ins Winterquartier zu stärken. Neben den Kiebitzen fallen besonders dir langbeinigen und ruffreudigen Grünschenkel, Bruch- und Waldwasserläufer sowie Flussuferläufer auf, und gelegentlich kommen auch Rotschenkel und Große Brachvögel vorbei.

 

Der Vierfleck - eine leicht zu erkennende Frühsommerart pflanzenreicher Weiher (Foto Bockwinkel)

Von den sommertypischen Libellenarten fliegen die gemusterten Mosaikjungfern oder die orangeroten Heidelibellen an vielen Gewässern. Die reichen Libellenvorkommen locken Baumfalken mit ihren Jungvögeln in die Rieselfelder, die vereinzelt in den Wäldern der Umgebung brüten und nun bevorzugt Großlibellen in der Luft erbeuten. Wie riesige Mauersegler mit schmalen Schwingen erjagen sie ihre Beute in reißendem Flug und verzehren sie gleich in der Luft. Sie haben nicht nur Libellen im Blick, und nicht umsonst schimpfen die Schwalben lautstark, wenn sie einen Baumfalken erspäht haben.

 

Übrigens ruhen auch die naturpädagogischen Aktivitäten in den Sommerferien nicht. Statt Schulklassen kommen jetzt Ferienspiel-Gruppen und nehmen an Werkstatt-Angeboten und Naturerlebnistagen teil. Auch Familienangebote könnten Sie interessieren: Beachten Sie hierzu die Pressemitteilungen und schauen Sie ins Veranstaltungsprogramm!