Logo Rieselfelder Windel Home Archiv Sitemap Impressum
Winter Fruehling Sommer Herbst Galerie
Aktuelles
Rieselfelder Windel
Aktivitäten & Angebote
Stiftung
Sponsoring
Kontakt

Herbst in den Rieselfeldern

Edelsteine aus Tau - auch Spinnen schmücken sich mit Geschmeide (Foto Albrecht)

Golden oder nebelgrau? In jedem Falle spannend ist ein Besuch der Rieselfelder im Herbst!

 

Schon im Morgenlicht präsentieren sich Spinnennetze im funkelnden Perlenkleid. Jetzt wird offenbar, welch wichtige Rolle die Spinnen im Naturhaushalt spielen: Die Zahl und Formenvielfalt ihrer Netze ist überwältigend. Erst im Morgentau werden sie augenfällig, wirken „grauhaarig“: Ein Sinnbild des „Altweibersommers“. Zu den vielen Kunstwerken der „niedergelassenen“ Spinnen kommen noch die unzähligen Fäden der Jungspinnen hinzu, mit deren Hilfe sie sich vom Wind verdriften lassen. Nun kann man erahnen, welch lebensnotwendige Nahrungsquelle die Spinnen für viele Standvögel im Winter sind.

 

Die niedriger einfallenden Sonnenstrahlen rücken auch tagsüber viele Fotomotive „ins rechte Licht“, die bei hoch stehender Sonne flach wirken. Schön ist die Blattverfärbung in den Laubbaum-geprägten Waldabschnitten zu beobachten. Das ehemals grüne Schilf verfärbt sich ebenfalls ins Braune. Farbtupfer setzen die Früchte der Heckensträucher: Rot leuchten Pfaffenhütchen, Doldenrispen der Gemeinen Schneeballs und des Traubenholunders, „Vogelbeeren“ der Ebereschen, Hagebutten, Kornel- und Heckenkirschen. Rot ist die „Vogelfarbe“ der Früchte: Vögel, Augentiere wie wir auch, bevorzugen diese auffällige Farbe und sorgen so für die Verbreitung der Samen. Doch sie verschmähen auch die blauen Früchte nicht: Schwarzer Holunder, Liguster, Hartriegel, Faulbaum, Brombeeren und Schlehen hinterlassen noch im Vogelkot auffällige Farbspuren. Einige der Herbstfrüchte werden erst durch Frost genießbar und stellen eine wichtige Winternahrung für diejenigen Vögel dar, die nicht fortziehen oder als Wintergäste zu uns kommen, z.B. für Wacholderdrosseln.

 

Ein eindruckvolles Erlebnis an klaren Oktobertagen: Der Herbstzug der Kraniche über Bielefeld (Foto Albrecht)

Im Herbst ist der Vogelzug besonders auffällig und ergiebig: Durch die Jungvögel ist nicht nur die Individuenzahl größer, auch ihre Aufenthaltsdauer in den Rieselfeldern ist länger. Für den anstrengenden und langen Flug legen sie sich gerne noch einen Energievorrat an und bleiben mehrere Tage, bis gute Wetterbedingungen die Weiterreise begünstigen. In den Rieselfeldern erregen besonders die (auch nachts) ruffreudigen Watvögel (Limikolen) Aufmerksamkeit, die am Ufer oder auf Schlickbänken picken oder ruhen. Auffällig sind auch die Formationen von Gänse- oder Kranichtrupps, die entlang des Teutoburger Waldes ziehen, manchmal aber auch einen Zwischenstopp in den Rieselfeldern einlegen.

 

Aufmerksame Beobachter finden aber auch bei den Kleinvögeln viele interessante Gäste. Ein Großteil der Zugvögel fliegt nachts, so dass jeden Morgen ein neues Bild der Vogelwelt entsteht: Von einem Tag auf den anderen können die Büsche entlang des Rundweges von Kleinvögeln nur so wimmeln oder plötzlich größere Enten- und Limikolentrupps am Wasser stehen. Über die Höhepunkte der Zugzeiten verschiedener Arten in den Rieselfeldern informiert „Der kleine Vogelführer für die Rieselfelder Windel“, den Sie kostenlos im Infozentrum oder in der Biostation erhalten können. Zwergtaucher und andere wasserbewohnende Vogelarten ziehen fort, sobald die Gewässer zufrieren. Dies kann durchaus auch schon mal Ende November erfolgen.

 

Spektakulär sind im Spätsommer und Herbst die abendlichen Ansammlungen der Stare in den Rieselfeldern. Aus weitem Umkreis fliegen sie ein, um an ihrem traditionellen Schlafplatz im Schilfröhricht gemeinsam zu nächtigen. Zuvor geben sie jedoch eine atemberaubende Vorstellung, ein „Luftballett“, bei dem Tausende von Staren dicht gedrängt Flugmanöver vollführen und in immer neuen Wellenbewegungen und Formationen wie Rauchwolken durch den Abendhimmel rauschen. In der dänischen Marsch wird dieses Spektakel unter der Markenbezeichnung „Schwarze Sonne“ sogar touristisch vermarktet. Besonders überwältigend werden die Flugübungen, wenn Greifvögel wie z.B. der Sperber versuchen, von diesem reichen Nahrungsangebot zu profitieren. Dann ballen sich die Wolken in reißendem Kurvenflug so dicht zusammen, dass sie tatsächlich die untergehende Sonne verdunkeln können. Nach einigen Minuten Flugschau, die locker mit den Darbietungen des Landeplatzes Windelsbleiche konkurrieren kann, fallen die Stare wie Steine vom Himmel und verschwinden nahezu spurlos im Schilf.

 

Übrigens nutzen auch Rauchschwalben die Schilfbeete gerne als Massenschlafplatz – ihre Flugkünste sind allerdings weniger spektakulär und schwerer zu beobachten, da sie erst im letzten Dämmerlicht stattfinden. Stare wie Schwalben der Umgegend wie auch der nordosteuropäischen Brutgebiete sammeln sich bei uns in den Rieselfeldern, bevor ihre große Reise weitergeht: Stare überwintern vorwiegend in Westeuropa, Schwalben in Afrika.

 

Fast unglaublich: Distelfalter überqueren im Frühjahr sogar die Alpen und ziehen im Herbst nach Südeuropa zurück (Foto Biostation)

Weniger bekannt ist, dass auch Insekten regelmäßig „ziehen“: Einige unserer Schmetterlinge sind „Wanderfalter“, die im Herbst gen Süden streben, und teilweise im Frühjahr und Sommer auch von dort zu uns stoßen. Bekannte Beispiele (wenn auch nicht so berühmt wie der amerikanische Monarchfalter) sind Admiral, Distelfalter, Großer Kohlweißling oder Gammaeule. An warmen Herbsttagen kann man gut den zielstrebigen Flug dieser Falter in geringer Höhe über die Freiflächen verfolgen. Bei warmem Wetter findet man auch bis in den Oktober hinein die spät fliegenden Heidelibellen, deren Männchen oft durch einen roten Hinterleib besonders auffallen.

 

Herbstzeit ist auch Arbeitszeit: Pflegearbeiten im Gelände können jetzt ohne Störung des Brutgeschäftes erfolgen, die Beobachtungsdaten des Sommers werden in Berichte zusammengefasst, die Jungböcke verwandeln sich in Schnuckenwürste und –keulen, und manchmal lockt auch ein „Apfeltag“ die Besucher in die Rieselfelder. Aber auch ohne Festprogramm haben die Rieselfelder denjenigen viel zu bieten, die Zeit und Ruhe zum Beobachten mitbringen. Probieren Sie es aus!

 

   
 
Seite Drucken